Zipolite – Hippies, Nudisten und gefährliche Brandung

Zipolite ist nicht nur ein Ort an der mexikanischen Pazifikküste. Zipolite ist eine Verheißung, eine Art zu leben. Es ist ein Ort, an dem man verweilen möchte, an den man wieder zurückkommen will. Es ist einer der ungewöhnlichsten Orte, die ich bisher bereisen durfte. 

Als ich mir den Film „Y tu mama también“ zum ersten Mal angesehen hatte, weil meine Freundin Amélie es als gute Übung ansah, meine Spanisch-Kenntnisse zu verbessern, wusste ich noch nicht, dass ich etwa ein Jahr später an eben jenem Ort sein würde, an dem der Film endet. Die Legende besagt, dass Hippies einst den Pazifik hinunter gefahren und nach dem schönsten Sonnenuntergang gesucht haben sollen, um ihr Quartier zu beziehen und zu bleiben. Sie entschieden sich für Zipolite.

Die Anreise

Im Wesentlichen gibt es drei Wege anzureisen:

  1. Von Mexiko City mit dem Flugzeug nach Huatulco. Dort ein Taxi nehmen (aufgrund des Monopols vor Ort mit etwa 1200 Pesos bzw. etwa 60 Euro recht teuer);
  2. Von Acapulco aus kommend mit dem Bus;
  3. Von Oaxaca City aus kommend mit dem Bus.

Entscheidet man sich für eine der beiden letzteren Varianten, steigt man am besten in Pochutla oder Puerto Angél aus und nimmt eines der an der Küste verkehrenden colectivos. Auch hier verkehren Taxis, deren Preise jedoch selten verhandelbar sind, da sich die lokalen Taxibetreiber offensichtlich untereinander absprechen. Wegen unseres Zeitdrucks entschieden wir uns für die erste Variante.

Das Taxi benötigte knapp 1,5 Stunden vom Flughafen aus. Die Strecke führt durch mexikanischen Urwald, man passiert dabei zahlreiche kleinere Siedlungen. Vereinzelt kann die Fahrt gefährlich sein, da der Fahrbelag an manchen Stellen große Löcher aufweist oder bereits den Abhang hinabgerutscht ist. Man sollte also auf jedem Fall einem geübten Fahrer vertrauen. Generell gilt die Gegend an der Pazifikküste Oaxacas als weitgehend sicher.

Der Ort

Ein Strand, an dem die Sonne hinter den Felsen abends im Nebel untergeht, während man selbst in einer der Bars und Restaurants auf Plastikstühlen vor Blechbuden sitzt, Bier und Tequila zu niedrigen Preisen trinkt und der massiven Brandung zuhört. Ein Ort, an dem „leben und leben lassen“ groß geschrieben wird: Hippies, die ihre handcrafted goods verkaufen; Nudisten; Aussteiger; Kiffer; Backpacker; Abenteurer und LGBT-Community.

Zipolite, was so viel heißt wie „Strand der Toten“, hat seinen Namen nicht von ungefähr. Denn am Strand treten so starke Strömungen auf, dass das Baden im Pazifik lebensgefährlich sein kann. Ich habe selten erlebt, dass das Wasser an einem Strand eine solche Kraft und Lautstärke entwickelt. Einmal ist die See ganz ruhig und plötzlich ist die gesamte Bucht samt der auf Stelzen stehenden Strandbars überflutet.

Hatte ich noch geglaubt, dass Hat Rin auf Koh Phan-gan die Welthauptstadt des Müßiggangs ist, so wurde ich in Zipolite eines besseren belehrt. Hier kann man das Nichts-Tun zelebrieren: In Strandbars sitzen, Tacos und die Oaxaca-Küche genießen, Bier, Mezcal und Margeritas trinken, essen, dösen. Für alles andere ist dieser Ort nicht geeignet (Wer dennoch etwas Action braucht, für den hat dieser Blog ein paar Aktivitäten rund um Zipolite zusammengefasst).

Ausgehen

Trotz der Bedenken vieler Blogger, was die beginnende und zunehmende Kommerzialisierung Zipolites betrifft, kann ich sagen, dass wir in der Nebensaison einen ziemlich ruhigen Ort vorgefunden haben. Nach dem Trubel und der Reizüberflutung, die wir in Mexiko City erlebt hatten, war es Zeit für ein bisschen Entspannung. Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich behaupte, dass Zipolite einer der Orte auf der Welt ist, der am besten dafür geeignet ist.

Zipolite ist ein Ort, an dem man verweilen möchte, an den man wieder zurückkommen will. Überall sind kleine Läden, in denen Einheimische und Aussteiger Handgefertigtes verkaufen sowie kleine Cafés und Restaurants. Überraschend ist, dass offenbar viele Italiener in Zipolite leben, die Restaurants betreiben. Am Strand gibt es dazu noch einige wenige Bars, die bis in die Nacht geöffnet sind. Darunter ist die Bang bang Bar, eine Strand-Bar mit großer Holztheke, Tischtennis und Plastikstühlen. Der Besitzer, ein amerikanischer Aussteiger, bietet sehr günstiges Bier und Cocktails an. Das Publikum an Abenden ist ein Querschnitt der Gesellschaft von Zipolite: Touristen, Hippies, Nudisten sowie die versammelte Dorfjugend, die teilweise für eine unentspannte Atmosphäre sorgt, sodass man nachts mitunter etwas wachsamer sein sollte.

Darüber hinaus ist noch die Reggae Bar zu empfehlen. Dabei vor allem die abenteuerlichen sanitären Anlagen, die man erreicht, wenn man durch eine schmutzige Lagune watet, bevor man zu einer Latrine kommt, die vollkommen verwahrlost ist und in der alles – wirklich alles – defekt ist. Warum haben eigentlich vor allem Reggae-Bars immer solche verrückten Toiletten? Ich erinnerte mich sofort an die Reggae Bar in Dhermi/Albanien, wo ein Baum im WC wuchs oder an den Unrat mit Wespennest in Hat Rin/Thailand.

Neben vielen guten Restaurants und Frühstückscafés (Huevos!) gibt es auch gehobene Gastronomie, die ich trotz des beträchtlichen Preisunterschieds empfehlen kann.

Unterkunft

Der Strandabschnitt ist der einzige in ganz Mexiko, an dem FKK toleriert wird. Das Nude-Hotel, eine textilfreie Unterkunft, erfreut sich großer Beliebtheit bei Jung und Alt, bei Alleinreisenden wie Pärchen, egal ob hetero oder gay. Auch einige wenige Hostels haben mittlerweile in Zipolite eröffnet, z. B. das hier.

Ich muss eine Lanze für das Hotel Noga brechen, das wir gebucht hatten. Ein extrem stylischer Laden, der im Stile eines Baumhauses gestaltet ist. Das Hotel ist noch recht neu und wird von einem jungen und unkonventionellen Ehepaar betrieben. Es verfügt über eine Rezeption-Bar mit großer Terrasse, die zum Verweilen einlädt, und einen direkten Strandzugang. Neben zahlreichen Sorten Mezcal (wir probierten einen im mittleren Preissegment und genossen ihn mit frischer Oaxaca-Schokolade) wurde uns für mittleres Geld ein vorzügliches Hipster-Frühstück geboten, das die Rezeptionistin morgens aus Joghurt, verschiedenen Sorten Müsli und frischen tropischen Früchten zubereitete.

Entdecken

Nur einen Steinwurf von Zipolite entfernt liegt eine malerische und naturbelassene Bucht, in die das Wasser wie in eine Badewanne schießt, um danach wieder abzulaufen. Man kann also recht gut darin baden, auch wenn die meisten Besucher (zumeist Nudisten) sich in die Schatten spendende Strandhütte zurückziehen, die sie nur ab und zu für ein kurzes Bad verlassen oder um auf dem angrenzenden Felsen für Fotos zu posieren oder Selfies zu machen. Auf dem steilen Weg über den angrenzenden Hügel, den man zuvor passieren muss, gibt es eine Bar mit den gefühlt stärksten Margeritas Oaxacas, Woodstock-Musik und einem traumhaften Blick über die Bucht und den gesamten Strand von Zipolite.

           

Einen Ort weiter befindet sich Mazunte, das von Zipolite in etwa 20 Minuten mit dem Taxi erreicht werden kann. Es gibt dort zahlreiche Hotelanlagen, Restaurants und Freizeitaktivitäten, wie der Besuch einer Schildkrötenfarm. Der Strand ist nicht minder sehenswert, insgesamt ist die Atmosphäre jedoch gänzlich unterschiedlich zu der in Zipolite. Der Ort eignet sich eher für einen ruhigen Hotel-Urlaub mit der Familie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.