Traditionalität und europäische Dynamik – Eine Reise durch Polen (3.Teil – Posen)

Posen (So-DI)

Der Zug in Richtung Posen fuhr am prall gefüllten Bahngleis des Hauptbahnhofs Warschau pünktlich ein. Ich hatte meine Fahrkarte tags zuvor bei einer dieser berüchtigten osteuropäischen Kommandantes erstanden, bei deren Anblick und Ansprache mir vor Furcht in aller Regelmäßigkeit die Knie schlottern. Bereits von Weitem konnte ich erkennen, dass es sich hierbei um ein Prachtexemplar dieser Spezies handeln würde. Blondgefärbte Fönfrisur, akkurat, Hornbrille, versteinerte Mimik, militärischer Befehlston, absolute Verbindlichkeit, i. d. R. keinerlei Fremdsprachenkenntnisse.  Als ich am Abend kurz vor acht Uhr am Bahnhof zwecks Ticketkauf ankam, war gerade ein Schalter geöffnet, noch genau fünf Minuten lang. Bereits in der Schlange, in der nur eine Handvoll Menschen anstanden, konnte ich erkennen, dass die Dame um diese Zeit, fünf Minuten vor Dienstschluss, nicht mehr die allerbeste Laune hatte, und die zum Teil unter Zeitdruck stehenden Kunden, nun ja, nicht gerade mit Samthandschuhen anfasste. Sollte ich morgen wieder kommen? Ich würde es probieren. […]