10 Gründe für eine Reise nach Mexico City

Smog, Kriminalität, Slums und riesengroß. Die Skrupel, einen Aufenthalt in der Hauptstadt Mexikos und größten Stadt Lateinamerikas einzuplanen, sind vielfältig. Bei der Vorbereitung meiner Mexiko-Reise merkte ich rasch, dass viele Blogger und Informationsmedien die Hauptstadt nur am Rande behandeln und sich eher auf die Regionen im Süden, Südwesten und Osten des Landes fokussieren. Ich habe Mexiko City bereist und die Ambivalenz dieser Stadt erlebt. Warum sich ein Besuch lohnt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Mexiko City zählt mit ca. 9 Millionen Einwohnern im Stadtzentrum und weit über 20 Millionen in der Metropolregion zu den größten Ballungszentren der Welt. Die Stadt ist ob ihrer Weitläufigkeit nur recht schwierig zu überblicken. Entsprechend vielfältig sind die Eindrücke, die man bei einem Aufenthalt in der Stadt sammelt. Ich habe versucht, die Gegensätzlichkeiten der Stadt in 10 Punkten zusammenzufassen.

Beim Abheben sieht man aus dem Flugzeug bis zum Horizont nur Bebauung.

1. Pláza de la Constitución

Der Zócalo (ugs. „Sockel“) ist der geographische Mittelpunkt von Mexiko City und von den Ausmaßen her riesig(215 x 235 Meter). Um ihn herum befinden sich zahlreiche Institutionen des Landes, darunter der Palacio Nacional, der Sitz des Staatspräsidenten. Auch die gigantische Kathedrale von Mexiko City ist natürlich ein Must see. Auch der Palacio Municipal befindet sich am Rande des Rechtecks.

2. Kunst im öffentlichen Raum

Mexiko City ist Kunst. Überall in der Stadt finden sich große Wandgemälde, Skulpturen, schön hergerichtete Plätze mit öffentlich zugänglichen Kunstwerken. Besonders beeindruckend sind hierbei die wuchtigen Murals, deren Tradition der mexikanische Nationalkünstler Diego Rivera zu Beginn und Mitte des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägte, weshalb es nicht verwundert, dass dieses Segment heute noch als Ausprägung der Urban Art an zahlreichen U-Bahn-Stationen und Häuserfassaden sichtbar ist. Die Affinität zu Design und künstlerischer Ästhetik zeigt sich auch an banaleren Gegenständen, wie etwa den Stationsplänen der U-Bahn-Linien, die zwar über ein ansprechendes Äußeres verfügen, jedoch wegen der verschnörkelten Schrift kaum lesbar sind.

3.Roma und Condesa

Entscheidend für einen angenehmen, authentischen und vor allem sicheren Aufenthalt in Mexiko City ist sicherlich die Wahl des Viertels, in dem man die Unterkunft bezieht. Hierbei ist es in Mexiko City so wie in vielen Hauptstädten von Schwellenländern, es gibt nur zwei Arten von Unterkünften: Extrem teuer und mittel- bis hochwertig oder günstig und Absteige. Wir entschieden uns daher für eines der wenigen Hostels, die von der Lage und vom Preis-Leistungsverhältnis noch akzeptabel erschienen. Ich kann die Lokalität eigentlich fast uneingeschränkt weiterempfehlen.

Blick aus dem Hostel-Fenster

Roma ist in die Distrikte Roma Norte und Roma Sur aufgeteilt, man kann sich zu allen Tages- und Nachtzeiten frei und sicher in dem Viertel bewegen. Es herrscht eine für mexikanische Verhältnisse gemütliche Atmosphäre vor, die Straßen sind als Alleen angelegt und es gibt zahlreiche Café-Restaurants, Café-Bars und Taco-Läden. Insgesamt ist Roma eher von der oberen Mittelschicht bewohnt. Zusammen mit dem direkt angrenzenden Condesa ist es das Szene- und Ausgehviertel in Mexiko City, das auch durch viele Grünanlagen zum Verweilen einlädt. Condesa verfügt über zwei Straßenzüge voller Bars und Restaurants sowie einige Clubs, wo teilweise Live-Musik angeboten wird oder an Wochenenden DJs auflegen. Nicht selten wird man am Einlass von den teils düster wirkenden Türstehern auf Waffen und Drogen hin kontrolliert, was einem die Lust auf einen Besuch dann doch etwas trübt.

 

4.Taco-Künstler

Burrito, Chimichanga, Spare-Rips und Fajitas? Weit gefehlt. In Mexiko-City ist der Taco das Gericht, das es überall und zu jeder Tageszeit zu essen gibt. Und das in allen erdenklichen Variationen und jeweils mit selbstgemachten Nachos, Salsas in unterschiedlichen Farben und Schärfegraden (von für europäische Gaumen „scharf“ bis „Körperverletzung“) und Rezepturen. Der ursprüngliche Taco besteht aus einem Tortilla-Fladen aus Maismehl, darauf Fleisch je nach Bestellung. Hierfür bieten die meisten traditionellen Taquerien und Straßenstände vor allem mariniertes Hähnchen- bzw. Schweinefleisch an, aber auch Rindfleisch ist weit verbreitet. Einige Taco-Läden verfügen auch über Fleischspieße, die sich, ähnlich einem Döner-Spieß, drehen. Dies ist auf Migrationsbewegungen aus dem Nahen Osten nach Mexiko zurückzuführen. In einer traditionellen Taqueria bestellt man also lediglich das Fleisch (mit der jeweiligen Marinade), das zu dem Taco gereicht werden soll. Hinzu bekommt man diverse Salate sowie Salsas, die in einigen Läden von einem eigens hierfür zuständigen Koch hergestellt werden, sozusagen dem „Salsa-Saucier“. Man belegt sich den Taco nach dem eigenen Geschmack und bestellt so lange, bis man satt ist. Tacos kosten generell nur wenige Pesos, bewegen sich etwa im Bereich zwischen 80 Cent und 2,50 Euro. Auch hier gibt es selbstverständlich ein Luxus-Segment, wo Tacos mit kreativen Rezepten neu interpretiert und als fusion food gereicht werden.

Auch in Mexiko dürfen sie nicht fehlen: Holzbrett-statt-Teller-, Limonade-aus-Einweckgläsern-, beschriftete Tafel-, Klemmbrett-mit Speisekarte- und Besteck-aus-Eimerchen – Läden, was natürlich nichts an der absolut fantastischen Qualität der servierten Tacos änderte, wenngleich der frittierte Kaktus in seiner holzartigen Konsistenz wirklich gewöhnungsbedürftig war.

Oberklasse-Hipster-Taco-Laden

Taco eher an die Oaxaca-Küche angelehnt

5.Museen von Weltrang

Mexiko City verfügt über eine beträchtliche Zahl an Museen internationalen Weltrangs. Hierzu zählen das Nationale Museum für Anthropologie,  die Pinakothek der schönen Künste, das Museo National de Arte (MUNAL) oder das Museo Memoria y Tolerancia. Ich möchte exemplarisch hier auf das Nationalmuseum für Anthropologie eingehen, das nicht nur architektonisch ein Highlight darstellt, sondern auch durch Exponate und originalgetreue Nachbildungen die Geschichte Mexikos anhand seiner indigenen Völker zeichnet und so die Historie von Azteken, Maya, Zapoteken etc. gleichermaßen anschaulich wie inhaltlich nachvollziehbar aufzeigt. Das Museum ist in einzelne Räume aufgeteilt, die sich jeweils den Epochen der Anthropologie innerhalb Mexikos widmen. Zwischen den Räumen befinden sich Gärten, wo auch Exponate ausgestellt werden und die Vegetation und Landschaft Mexikos nachempfunden wird, indem etwa Kakteen und Urwälder angelegt worden sind. Es wird inhaltlich pointiert gearbeitet, die Beschriftungen und Tafeln in den einzelnen Räumen fassen die Informationen und Ereignisse in Kürze zusammen, sodass auch Besucher mit geringem Vorwissen recht schnell ein umfassendes Bild erhalten. Sehr zu empfehlen ist auch die Cafeteria des Museums, dort unbedingt die Huevos Rancheros probieren!

6. Limonades, Cerveza, Tequila und Margueritas

Mexiko verfügt über eine Reihe guter Biersorten, die in aller Regel recht mild und durchweg gut bekömmlich sind (meinen Favoriten sehr ihr unten abgebildet). Darüber hinaus sollte man natürlich Tequila probieren, hier insbesondere die mittelalten Sorten, die es von zahlreichen Produzenten in allen möglichen Preissegmenten gibt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Tequila-Auswahl in aller Regel in Sachen Qualität nichts mit den herkömmlich, in europäischen Supermärkten vertretenen Industrie-Tequilas zu tun haben und auch ohne Limette und Salz wunderbar konsumiert werden können. Ein Geschmackserlebnis stellt auch Mezcal dar, der traditionelle Agavenschnaps, der einem beim Genuss jedoch aufgrund seiner Stärke die Schuhe auszieht. Auf jeder Getränkekarte finden sich ferner Margeritas (frozen oder flüssig), die mit Salzrand und mächtig Eis gereicht werden und einem in aller Regel ebenfalls schnell den Spaß in den Kopf spülen. Letztlich ist die Limonade in Mexiko wirklich das, was der Name verspricht: ein frisch zubereitetes Getränk mit Limetten und Eis, ein Getränk, wofür der Name „Erfrischungsgetränk“ erfunden wurde; was in einem Land, in dem die Früchte zu jeder Speise gereicht werden, jedoch nicht weiter überrascht.

7. Urbanität und Megacity

Tiefe Löcher in der Straße mitten auf einer befahrenen Kreuzung, fliegende Banda-Spieler in einem Touristenbus, Bewacher von Läden mit Pump-Gun in der Hand, ein alter amerikanischer Lastwagen mit defektem Auspuff so laut wie ein Düsenjäger; hupende Autos und wuselige Lebhaftigkeit an den U-Bahn-Stationen, Mauern und Zäune vor Häusern und überall lauern Gefahren: Der ganz normale Wahnsinn in Mexiko City. Der Vibe dieser Stadt ist speziell. Hat man sich erst einmal an den Smog und die Höhenluft gewöhnt, so ist es vor allem der Geruch des Maismehls von den Straßenständen, der einem in die Nase sticht. In der gut ausgebauten und in enger Taktung verkehrenden U-Bahn sind Pläne häufig Mangelware. Menschenmassen bevölkern sowohl die langgezogenen Boulevards als auch die Stationen von U-Bahn und Metrobus im Zentrum und den Vororten. Parks mit Spielplätzen, Open Air-Sportanlagen und unübersichtlichen Wegen prägen häufig das Bild in den Quartieren der Stadt. Nach Einbruch der Dunkelheit leeren sich in zahlreichen Vierteln die Straßen – aus gutem Grund. Vor dem Zusteigen in ein Taxi ist Vorsicht geboten, unter den vielen offiziellen Taxis sind auch nicht autorisierte – die jedoch genauso aussehen. Taxis sollten also bei offiziellen Agencies gebucht werden oder man sollte auf Uber ausweichen, das weitgehend sicher sein soll. Mexiko City steht für ein hohes Maß an Höflichkeit, freundlichen und entspannten Menschen sowie eine ausgesprochene Serviceorientierung und hohe Qualität in Kulinarik und Bedienung. Ausgehen, Freude und Entspannung sind Teil dieser Stadt.

 

 

8. Huevos

Was isst man in Mexiko zum Frühstück? Richtig, Eier. Und zwar in allen erdenklichen Variationen. Und mit Bohnenpüree und selbstgemachten Nachos. Unten abgebildet: Huevos a la Mexicana, Huevos Rancheros und Huevos in grüner Salsa. Es lebe ein deftiges Frühstück.

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9. Frida Kahlo und Diego Rivera

Frida Kahlo, eine der bekanntesten Künstlerinnen Mexikos und Stilikone der 1940er und 1950er Jahre, wird in Mexiko bis heute verehrt. Diego Rivera, ihr langjähriger Ehemann und Förderer, ist bis heute der wohl meist beachtete Künstler Mexikos und nicht zuletzt durch seine zahlreichen Wandgemälde immernoch an vielen Plätzen in Mexiko City präsent. Im Süden der Stadt in dem Vorort Coyacán gelegen zeigt das Frida Kahlo-Museum in authentischen Räumlichkeiten das Leben der beiden Ikonen. Neben dem Wohnhaus der beiden, wo Einrichtungsgegenstände, Interieur und Bücherregale originalgetreu nachgestellt werden, ist vor allem der tropische Garten sehenswert, der ebenso in Authentizität vermittelnder Absicht die Lebensbedingungen des Paares zeigt. Interessant sind hierbei auch Exponate wie das Korsett, das Frida Kahlo im Zuge ihres schweren Autounfalls tragen musste, die man besichtigen kann. Das Museum ist sehr gut besucht (hauptsächlich von Mexikanern) und ein Must für jeden Aufenthalt in Mexiko City.

©creative commons

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10. Museo Casa de León Trotsky

Schon immer war Mexiko ein beliebtes Ziel für politische Exilanten. Einer davon war Leo Trotzky, der 1937 mit seiner Familie in Mexiko immigrierte und zunächst in Frida Kahlos und Diego Riveras Haus wohnte, bevor er später zwei Straßen weiter zog, wo er 1940 zunächst ein Attentat eines von Stalin entsannten russischen Agenten überlebte, bevor er drei Monate später von einem weiteren Agenten, der sich zuvor mit einer seiner Sekretärinnen verlobte, mit einem Eispickel verletzt wurde und an den Folgen starb. Das Museum befindet sich in dem Haus; alle Räume sind weitgehend originalgetreu erhalten, selbst die Einschusslöcher vom ersten Attentat sind noch vorhanden. Auch kann man eine Ausstellung besichtigen, die das Leben und Werk Leo Trotzkys und seiner gesamten Familie bis in die Gegenwart nachvollzieht. Sehenswertes Museum!

Grab von Leo Trotzky und seiner Frau Natalja

Bettgemach mit Einschusslöcher vom ersten Anschlag

Küche

 

 

 

 

 

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